Ein Leuchtturm. Orientierung im Unbekannten, Ambivalenten, Paradoxen. Sinnbild wegweisender Literatur, langbärtiger Weisheiten und erhobener Zeigefinger. Ein invertierter Leuchtturm: Aus- und Aufbruch. Hinein ins Nebelweiß zwischen den Zeilen – fernab blendender Gewissheiten, die sich als Irrlichter entpuppen mögen.

Neben dem Schreiben arbeite ich als Unternehmensberater und Medienforscher, was im Kern je darauf hinausläuft, durch systematische Analysen Klarheit zu liefern. Literatur fängt für mich an, wo Systeme an ihre Grenzen stoßen. Ich mag die Art von kreativer Spekulation, die ehedem vielleicht in Mystik oder Alchemie möglich gewesen wäre. Wohin führt es, wenn man sich auf den Sog des Irrationalen einlässt und dabei nicht aufhört zu denken? Wenn man die Unterwelt betritt und sein Gehirn nicht im Foyer abgibt?
Einerseits kritisches Denken (Holzfällen im Verstand), andererseits Inspiration (Brennholz für den Möglichkeitssinn). Was mich als Leser wie Autor reizt, sind Schiffbruchgeschichten, Axtgeschichten, Tauchfahrten in existenzielle Abgründe und Leerstellen: mit Neugier statt Betroffenheit. Schreiben ist für mich ein Laboratorium zum Spiel mit dem Absurden. Nicht, um dagegen zu revoltieren (und dabei selbst absurd zu werden), sondern um zu erforschen, was darunter liegt.

Hieronymus Bosch, Public domain, via Wikimedia Commons
Ausgangspunkt dieser Art zu schreiben ist stets ein Hauch von Grauen, ein fundamentales Schaudern, irgendein Zweifel, dessen Wurzeln sich tiefer abwärts winden, als man zu graben bereit ist (das unterscheidet Literatur von Psychoanalyse: Man legt selbst den Einsatz fest). Realistische Literatur tendiert dazu, das Unbehagen unbekleidet auszustellen. Phantastik umgeht derartigen Exhibitionismus, indem sie dem Schrecken Masken gibt: Monster, Morde, Mutationen.
Der große Surrealist Salvador Dalí urteilte über den Monsterschöpfer Hieronymus Bosch: „Boschs Monster [sind] Produkt des nebelverhangenen Nordens und der schrecklichen Verdauungsstörungen des Mittelalters. […] An diesem Universum bin ich nicht interessiert.“
Ich schon. Ich mag Surrealität – ohne den spießbürgerlichen theoretischen Ballast des Surrealismus. Tentakel ohne Sonnenstich. Der Surrealismus ist ein geschminkter Leuchtturm. Mich interessiert der Nebel: Das archaische Moment unmittelbarer Erfahrung, die Wucht des Erhabenen, nicht gefiltert durch Dogmen und Manifeste. Der Vorstoß zum Prähistorischen.

Das macht Literatur zur Denkmaschine: Ein gelungener Text ermöglicht eine subjektive Auseinandersetzung mit seinem Kernproblem. Figuren, Handlungen und Ansichten sind Vorschläge. Experimente, die scheitern dürfen und die man ablehnen kann. Gedankenspiele als Spiel mit Risiko – wenn Erzählen didaktisch wird, geht das verloren.
Wir leben in einer Zeit schwindender Nebel, aufziehender Stürme und wahnsinniger Leuchtturmwärter. Meine Bücher sind für Menschen, die denken. Ich schreibe für alle, die sich in der zerbrochenen Welt des 21. Jahrhunderts fragen, welche Rolle(n) man noch spielen kann. Für Nebelgänger und Mutanten.
Wenn Sie existenzielle Expeditionen ohne Rollkragen-und-Zigaretten-Pathos mögen, sind Sie auf eine Goldader gestoßen: Sie können überall anfangen zu schürfen, jede Geschichte lässt sich eigenständig lesen. Mein aktuelles Projekt ist der Aufbau des Faustkeil-Verlags:
