Der König des Sterbens: Eine Rezension

Der Artikel, den Sie gerade lesen, ist eine Rezension. Und zwar zu einem Buch, zu dem Roman Der König des Sterbens. Geschrieben hat ihn Laura Bruning, nach eigenen Angaben inspiriert vom Film Der Untergang.

Entsprechend fröhlich fällt die Handlung aus:

Drei abgehalfterte Kerle irgendwann zwischen 20 und der Midlife-Crisis geben sich in einer nicht minder abgehalfterten Kneipe die Kante. Richtig gute Stimmung will sich nicht einstellen – und dann bekommen sie Gesellschaft: von einem dubiosen Gentleman alter Schule (dem titelgebenden „König“), der ihnen eröffnet, keiner von ihnen werde die Kneipe lebend verlassen. Es entbrennt eine Mischung aus trotzigem Besäufnis und Debatte über die Nichtigkeit des Daseins, die langsam eskaliert.
Je weiter der Abend voranschreitet, desto bizarrer wird das Treiben bis es schließlich restlos ins Surreale kippt. Und worauf alles am Ende hinausläuft ist wie zu erwarten bitter.

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Das Werk ist beim Gorilla Verlag erhältlich und es gibt einen eigenen Trailer (aus dem auch die traumschönen Illustrationen dieses Artikels stammen).

Der König des Sterbens ist nicht lang und flüssig geschrieben. So lässt der Text sich mehr oder weniger in Echtzeit lesen: die innerhalb der Handlung vergehende, an den immer wieder angegebenen Uhrzeiten festzumachende Zeit entsprach recht genau der Dauer, die verstrich, während ich las. Verstärkt wird dieser Effekt von der recht großen Schriftart der Printausgabe, die dafür sorgt, dass auch die Seiten schnell verstreichen.
Der König des Sterbens ist kein Epos, an dem der Leser wochenlang zu kauen hat. Zumindest nicht am Text selbst. Eher hat man einen intensiv sinistren Abend zu erwarten – das Buch lässt sich in einem Stück durchlesen und tatsächlich habe ich das auch getan – was sehr für seine Sogkraft spricht!

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Die kurzen, pointierten Textblöcke geben dem Werk einen aphoristischen Anstrich. Beim schnellen Durchblättern hat der Text Ähnlichkeit mit einem philosophischen Wälzer aus dem 19. Jahrhundert. Anstelle von Spruchweisheiten versteckt sich dahinter jedoch derbster Kneipentalk.
Damit soll dem Buch kein Tiefgang abgesprochen werden. Stellenweise erwachsen aus der morbiden Szenerie wirklich abgründige Denkansätze. Der Roman neigt zur Selbst-Dekonstruktion, zum Hinterfragen von Sprache. Dialoge wie der folgende wirken beinahe wie eine zynische Parodie von Heideggers spitzfindigem Sprachgebrauch:

„Es hat ja auch ohne Grund angefangen.“
„Was ist es?“
„Du.“

Der König des Sterbens erzählt eine minimalistische Geschichte, irgendwo in der modernen Alltagswelt. Diese weist jedoch über sich selbst hinaus: das Buch ist ein fieser kleiner Roman Noir, unter dessen Oberfläche etwas noch dunkleres lauert, das sich nicht wirklich definieren lässt. Wie eine ohnehin schon hässliche Holzfigur, die überdies im Innern faulig ist. Dark Drama par excellence.

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Was die Ereignisse zu bedeuten haben oder wie sie zu erklären sind bleibt letztlich dem Leser überlassen, auch wenn ein paar mögliche Interpretationen vorgeschlagen werden – eine davon sogar etwas zu deutlich für meinen Geschmack. Nichtsdestotrotz verstört das Buch in seiner Rätselhaftigkeit.

Alles in allem ein sehr gelungenes Stück Kopfweh-Literatur, niederschmetternd bis zum letzten Satz – der in positiver Weise an das Ende von Kafkas Das Urteil erinnert.

Wer fröhliche Gedanken vertreiben möchte, dem ist Der König des Sterbens definitiv zu empfehlen!

 

 

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