Kommentar: Die Freiheit zur Secession

Ein kurzer Kommentar meinerseits vom 28.07.2021, anlässlich eines damals akuten Pseudo-Skandals um die unlängst gescheiterte Kanzlerkandidatin Annalena-Baerbock. An dieser Stelle auffindbar für die Nachwelt:


Die Freiheit, das Unbequeme an- und auszusprechen, verdankt sich traditionell dem skandalumwitterten Kreis zorniger Progressiver. Von Psychoanalyse und Wiener Secession, Bauhaus und epischem Theater bis zu den „Gegenkultur“-Bestrebungen der 1960er und -70er entspricht „Freiheit“ einem selbstbewussten Gegen-Ideal zu bürgerlichem und faschistoidem Konservativismus.

Im 21. Jahrhundert entschuldigt sich Annalena Baerbock dafür, eine Weigerung, „das N-Wort“ zu gebrauchen, wörtlich zitiert zu haben. Derweil suchen AFD und „Querdenker“, die Wendlers und Höckes und Naidoos, das Konzept „Freiheit“ für sich zu besetzen – im Sinne einer cowboyesken Autonomie ohne Rücksicht oder Moral.

Wo findet sich noch ein traditionsbewusster Faschist, der nach Impfpflicht und Maske schreit? Wo die liberale Empörung über den Test von Schallkanonen an der EU-Grenze, nach Menschenrechtsstandarts eindeutig Folter? An welchem Punkt hat das sichtbare Gros progressiver Kräfte das Ringen um ihr Freiheitsverständnis zugunsten kompromissloser (Selbst)Kritik aufgegeben? Seit wann meint Freiheit die Freiheit, Diesel zu fahren und Steak zu grillen, statt der Freiheit, sagen zu können, dass zwei und zwei vier ist?

Die Moderne hat Stacheldraht hervorgebracht – und Humanismus. Ihre Kritik Adorno und Foucault – sowie Habermas, Chomsky und Viellém Flusser. Die Postmoderne rollt – gen Metamoderne oder Meta-Mittelalter?


Welche Schallkonen, was für Stacheldraht? Lesen Sie HIER.

Mehr zum Konzept der Metamoderne in meinem Fachwerk Jenseits des Postmodernen: Die Geburt der Metatragödie (siehe auch: Literatur). Eine Leseprobe finden Sie HIER.

Bei seiner Initialveröffentlichung auf meinen Social-Media-Kanälen hatte ich den Text ergänzend mit dem Gemälde Judith und Holofernes von Gustav Klimt (statt dessen hier verwendetem Beethoven-Fries) sowie dem nachstehenden Zitat verbunden:

„Art is the opposite of Facebook.“

Yanis Varoufakis (Quelle HIER)

Robert Boehm, Leipzig, 06.01.2022. Letzte Revision am 06.01.2022.

Bildquellen: Wikimedia Commons


Sie sind hin und weg und möchten mir einen Kaffee spendieren? Investieren Sie doch lieber in ein wirklich nützliches Vorhaben wie MERA25 oder den Pleistozän-Park. Infos und Anekdoten zu Letzterem finden Sie HIER GANZ UNTEN.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s