Eiserne Ernte auf Kickstarter

In diesem Artikel geht es um ein Spiel, das wirklich einen Blick wert ist – und vielleicht sogar auch ein paar Groschen. Das Spiel, um das es geht, ist Iron Harvest. Es befindet sich gerade in der Entwicklung und seit ein paar Tagen läuft eine Crowdfunding-Kampagne, welche diese Entwicklung finanziell unterstützen soll. Dieser Artikel wiederum soll nicht nur ein wirklich schönes neues Medienprodukt vorstellen, sondern seinerseits auch die Crowdfunding-Kampagne unterstützen – in gewisser Hinsicht ist es also schamlose Werbung.

Aber mit den besten Absichten. 

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Angesiedelt in einer alternativen Version der 1920er Jahre (alternativ zum Beispiel hinsichtlich der Existenz riesiger Laufmaschinen) ist Iron Harvest ein Echtzeitstrategiespiel der alten Schule in der Tradition ehrwürdiger Titel wie Dawn of War oder Warcraft 3. Erscheinen soll es für die Plattformen PC, PlayStation 4 und Xbox One.

Es greift dabei zwar altbewährte Spielmechaniken auf, erweitert sie aber um ein paar interessante eigene Prämissen, haucht ihnen neues Leben ein und setzt eigene Schwerpunkte. So ist jedes Level als eine Art Sandkasten konzipiert, in dem der Spieler mit Problemen konfrontiert wird und mithilfe der gegebenen Mittel kreativ eigene Lösungen finden muss. Die Spielwelt sieht nicht nur wunderschön aus und bietet taktische Möglichkeiten, sondern sie kann auch vollständig in Schutt und Asche gelegt werden. Auch soll jede Einheit sich bedeutsam anfühlen – der Fokus also liegt auf kreativem Taktieren statt auf endlos wuselnden Horden.

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Was dem Spiel besonderen Reiz verleiht, ist das frische, unverbrauchte Setting: nur sehr wenige Spiele sind zwischen den beiden Weltkriegen angesiedelt – und, wie die Entwickler mit ehrlichem Stolz betonen, ist zu bezweifeln, dass viele dieser Spiele riesige Kampf-Mechs bieten.

Das Setting des Spiels basiert dabei auf den Arbeiten des polnischen Künstlers Jakub Różalski und der von ihm geschaffenen Welt unter dem Titel 1920+. Im frühen 20. Jahrhundert prallen Tradition und Fortschritt aufeinander und die Welt ist noch voller Mysterien. Das schlägt sich vor allem in skurrilen technischen Konstrukten wie den besagten Mechs nieder, die auch im verheerenden ersten Weltkrieg (bzw. in der Iron Harvest-Version davon) eingesetzt wurden. Der titelgebende Begriff der „Eisernen Ernte“ ist keine Eigenerfindung des Spiels, sondern bezeichnete auch in der realen Historie die Trümmer, Blindgänger und explosiven Artillerie-Rückstände, die nach dem ersten Weltkrieg überall den Boden verseuchten – und ist somit ein Synonym für die grausigen Verwüstungen des Krieges an sich.

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Die Handlung des Spiels ist ein paar Jahre nach diesem Krieg angesiedelt und dreht sich um den Versuch geheimer Kräfte, den brüchigen Frieden zu untergraben und die Vernichtungsmaschinerie erneut in Gang zu setzen.

Diese Geschichte wird in Form von drei separat spielbaren Kampagnen erzählt und jeweils aus der Sicht einer der drei großen Fraktionen dieser Welt: der Republik Polania, der aufstrebenden Industrienation Rusviet und des Sächsischen Imperiums. Im Mittelpunkt jeder Kampagne stehen eigene Helden und alle drei spielbaren Handlungsstränge sind miteinander verknüpft.

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Was Iron Harvest für mich besonders interessant macht, ist dabei gerade das osteuropäische Flair. Die meisten westlichen Erzählungen, die sich mit dem ersten Weltkrieg und der von ihm verwüsteten Welt befassen (wie etwa das nichtsdestotrotz großartige Comic-Antikriegsspiel Valiant Hearts) sind in Frankreich oder Deutschland angesiedelt – darüber hinaus sind düstere, östlich angehauchte Szenarien mit monströsen Kampfmaschinen etwas, das ich in Anbetracht meines Debütromans Anastasis nur gutheißen kann. Auch wäre interessant, welches Schicksal Hans Castorp, den tragischen Helden des Zauberbergs, ereilt hätte, wenn er am Ende des Buches einen riesigen Kampf-Mech besessen hätte.

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Mr. Różalskis Bilder haben aus meiner Sicht einen ganz eigenen melancholischen Charme, ihnen wohnt eine gewisse wehmütige Stimmung inne, die sich nur schwer in Worte fassen lässt.

Hinter der Entwicklung von Iron Harvest steht das Studio KING Art Games aus Bremen, dass bereits für ein paar kleine Klassiker wie die The Book of Unwritten Tales Reihe verantwortlich zeichnet. Ich hatte dabei die Ehre, zur Vorbereitung der Crowdfunding-Kampagne etwas Feedback beizusteuern und bin enorm gespannt auf das fertige Spiel!

Zwar hat die Kampagne auf Kickstarter ihr erstes Finanzierungsziel nach gerade mal 36 Stunden bereits erreicht, dennoch ist das Projekt derart sympathisch, dass weitere Unterstützung ganz gewiss keine schlechte Idee ist!

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